Heute habe ich einen Mac Mini bestellt. Die kleinste Ausführung, 16 GB RAM, nichts Besonderes. Nicht zum Arbeiten. Nicht für Video-Editing. Sondern um einen Hummer darauf laufen zu lassen.
Klingt absurd? Willkommen bei Moltbot.

Was zum Teufel ist Moltbot?
Stell dir vor, du könntest mit deinem Computer reden wie mit einem Kollegen. Nicht über eine spezielle App, sondern über WhatsApp. Oder Telegram. Oder Discord. Egal wo du gerade bist.
Du schreibst "Räum mal meine Inbox auf" und dein Rechner macht es. Du fragst "Was steht heute an?" und bekommst ein Briefing. Du sagst "Buch mir den Flug" und es passiert.
Das ist Moltbot. Ein Open-Source-Projekt von Peter Steinberger, das in wenigen Wochen über 60.000 GitHub-Stars gesammelt hat.

Die Community nennt es "Jarvis", "iPhone Moment", "early AGI". Ein User schreibt schlicht: "It's running my company."
Das Besondere: Moltbot lebt nicht in der Cloud. Es läuft auf deinem Rechner, mit vollem Zugriff auf dein System. Dateien, Browser, Terminal, E-Mails – alles erreichbar. Und du steuerst es über die Chat-Apps, die du sowieso schon nutzt.
Es gibt viele Integrationen. Moltbaut kann per Telegram, WhatsApp, Slack oder Discord gesteuert werden und auf viele Anwendungen eigenständig zugreifen:

Hier ein fiktiver möglicher Chatverlauf, um über Telegram auf dem Laufenden gehalten zu werden und Aktionen zu steuern:

Moltbot hieß bis heute übrigens noch Clawd - aber das war etwas zu nah an Claude.

Was gut gegangen ist
Die Erfolgsgeschichten sind wild.
Der Versicherungs-Anwalt: User @Hormold berichtet, dass sein Moltbot "versehentlich einen Streit mit Lemonade Insurance angefangen hat" – weil er eine Antwort falsch interpretierte. Das Ergebnis? Die Versicherung hat den Fall neu aufgerollt, statt ihn abzulehnen. Manchmal ist Sturheit von Vorteil.
Der Sora-Video-Produzent: @xMikeMickelson bat seinen Bot, ein Video mit Sora zu erstellen, "ein bisschen edgy". Fünf Minuten später hatte der Bot selbstständig API-Keys organisiert, Wasserzeichen-Entfernung eingerichtet und einen kompletten Workflow gebaut.
Der Uni-Assistent: @pranavkarthik__ wollte Zugang zu seinen Kursen und Assignments. Er fragte den Bot, ob er dafür einen Skill bauen könne. Der Bot baute ihn – und fing sofort an, ihn zu benutzen.
Die Whoop-Integration: @sharoni_k brauchte fünf Minuten für das Setup. Dann fragte er "Was brauchst du, um meine Whoop-Daten zu sehen?" Der Bot erklärte es, holte sich die Daten und liefert jetzt automatische Health-Updates.
Die Nokia-Website: @youbiak baute eine komplette Website. Von einem Nokia 3310. Per Anruf.
Was diese Geschichten verbindet: Die Leute fragen nicht "Wie mache ich X?" – sie sagen "Mach X" und der Bot findet den Weg.
Was schief gegangen ist
Natürlich geht auch Zeug kaputt. Ein AI-Agent mit Systemzugriff ist wie ein übermotivierter Praktikant mit Admin-Rechten.
Der Versicherungs-Streit (die andere Seite): Ja, @Hormolds Bot hat den Fall neu aufgerollt. Aber er hat auch ungefragt aggressive E-Mails geschrieben. Manchmal willst du vielleicht nicht, dass dein AI-Assistent für dich kämpft.
Die Selbstabschaltung: @bangkokbuild erzählt, wie er seinem Bot per Telegram sagte, er solle den PC ausschalten. Der Bot führte es aus – und schaltete sich dabei selbst ab. Funktioniert wie gewünscht, aber vielleicht nicht wie erwartet.
Die Token-Flut: Mehrere User berichten, dass sie ihr Claude-Max-Limit innerhalb eines Tages aufgebraucht haben. @jonahships_ ließ seinen Bot dann selbst eine Lösung bauen – einen Proxy zu seinem Copilot-Abo. Kreativ, aber teuer bis dahin.
Die Heartbeat-Überraschung: Moltbot kann sich proaktiv melden – per Cron-Job, zu festgelegten Zeiten. @HixVAC war überrascht, als sein Bot plötzlich von sich aus schrieb. Nett gemeint, aber wenn du nicht weißt, dass das Feature existiert, gruselig.
Das Sicherheitsdesaster: Wie Günter Born berichtet, wurden innerhalb von 24 Stunden nach Release hunderte Moltbot-Server im Internet gefunden – ohne jegliche Authentifizierung. Ein User gewährte seinem Bot uneingeschränkten Zugriff auf sein Signal-Konto. Die Zugangsdaten standen danach öffentlich im Netz. Ein Patch existiert inzwischen, aber wer nicht aktualisiert, bleibt angreifbar.
Die Architektur hinter Moltbot
Moltbot ist kein simpler Chatbot. Es ist eine Gateway-Infrastruktur.
Chat-Apps (WhatsApp/Telegram/Discord/...)
↓
Gateway (läuft lokal auf Port 18789)
├─ Agent (Claude/GPT/lokale Modelle)
├─ CLI (moltbot …)
├─ Browser-Steuerung (Chrome/Chromium)
├─ Skills (erweiterbar, selbst-generierend)
└─ Nodes (iOS/Android/macOS für Kamera, Voice, etc.)Die Installation ist ein One-Liner (GitHub):
curl -fsSL https://molt.bot/install.sh | bashDann moltbot onboard --install-daemon und der Wizard führt dich durch: Model-Auswahl (Claude, GPT, lokale Modelle), Channel-Setup (WhatsApp per QR-Code, Telegram per Bot-Token), Workspace-Konfiguration.
Molt bietet eine tolle, umfangreiche Dokumentation

Mehr Details liefere ich nach, sobald ich Moltbot selbst testen kann.
Warum ein Mac Mini?
Zurück zu meiner Bestellung.
Moltbot braucht einen Rechner, der läuft. 24/7, idealerweise. Dein Laptop geht in den Sleep-Mode, verliert die Verbindung, ist nicht erreichbar wenn du unterwegs bist.
Die Community hat das gelöst: Mac Minis als dedizierte Moltbot-Hosts. Die kleinste Variante reicht, weil die eigentliche AI-Arbeit in der Cloud passiert (Claude API, OpenAI API). Der Mac Mini ist nur der Ochestrator mit Mac-Tools an Bord.
Alternativen zum Mac Mini existieren: Raspberry Pi, Hetzner-Server, DigitalOcean, alter Laptop. Aber der Mac Mini hat Vorteile: Die macOS Companion App mit Voice Wake, die iOS-Integration für Kamera-Zugriff, die native Performance für Browser-Automation.
Ich geb euch nächste Woche Feedback, wie es läuft.
Für wen ist das?
Stand heute: Für Nerds. Die Installation ist ein One-Liner, aber du solltest wissen, was ein CLI ist. Die Konfiguration ist dokumentiert, aber JSON-Dateien sollten dich nicht abschrecken.
Aber das ändert sich. Die macOS-App ist bereits in Beta. Die Onboarding-Experience wird besser. Und die Community baut Skills, die immer mehr out-of-the-box funktionieren.
Meine Prognose: In wenigen Monaten wird jemand eine "Moltbot für Normalos"-Version bauen. One-Click-Install, vorkonfigurierte Skills, freundliches UI. Und dann wird es interessant.
Fazit
Wenn dein AI-Assistent deinen Rechner kontrolliert, E-Mails schreibt, mit Versicherungen streitet, deine Kalender managed und deine Health-Daten analysiert – wo ist die Grenze?
Moltbot ist ein Werkzeug. Ein sehr mächtiges. Wie @nateliason schreibt:
Hired my first employee today
Moltbot ist das, was sich viele herbeigesehnt haben. Ein lokaler KI-Assistent, der im Alltag oder bei der Arbeit unterstützt. ABER mit viel Macht kommt auch viel Verantwortung. Ich bin gespannt, wie der Spagat zwischen Sicherheit und Leistungsfähigkeit funktionieren wird.
Moltbot ist nicht perfekt. Es ist manchmal zu enthusiastisch, frisst Token wie ein hungriger Teenager und kann Dinge kaputt machen, wenn du nicht aufpasst.
Aber es zeigt, wohin persönliche AI geht: Weg von Apps, hin zu Infrastruktur. Weg von "frag mich was" zu "mach das für mich". Weg von Cloud-Only zu Local-First.
Ob das die Zukunft ist? Ich weiß es nicht. Aber ich habe einen Mac Mini bestellt, um es herauszufinden.
Der Hummer wartet.
Moltbot ist Open Source und kostenlos. Du brauchst allerdings ein Claude- oder OpenAI-Abo für die AI-Backends. Mehr Infos: molt.bot und die umfangreichen docs.molt.bot. Lesenswert auch: Federico Viticcis Artikel auf MacStories und der StarryHope-Artikel über den Mac-Mini-Trend.