Was ist Caffeine.ai?

Die Dfinity Foundation hat mit Caffeine.ai eine Plattform veröffentlicht, die einen anderen Ansatz verfolgt als Copilot, Cursor oder Claude. Anstatt Entwicklern beim Coden zu helfen, übernimmt die KI das Coden komplett. Man beschreibt in natürlicher Sprache, was man möchte und ein Ensemble von KI-Modellen schreibt und deployed die Anwendung.

Interessant dabei: Die Apps laufen auf dem von Dfinity Foundation im Jahr 2021 selbst entwickelten, dezentralen Internet Computer Protocol (ICP), und die eigens entwickelte Programmiersprache Motoko garantiert mathematisch, dass Updates keine Daten verlieren können. Bei einem Hackathon haben Nicht-Techniker bereits funktionierende Apps gebaut – vom Zahnarzt mit Patientenakten-Tool bis zur Strickerin mit Hobby-Lern-App.

Ein funktionierendes Beispiel der Dfinity-Vision ist OpenChat – eine Messaging-App, die vollständig auf dem Internet Computer läuft und von einer DAO mit zehntausenden Teilnehmern gesteuert wird.

OpenChat - dezentraler Messenger auf ICP
OpenChat: Dezentraler Messenger mit Video-Calls und Crypto-Payments

Laut VentureBeat wird das Ganze von gewichtigen Investoren gestützt: Über 100 Millionen Dollar von Andreessen Horowitz und Polychain Capital flossen in das Projekt. Betrieben wird Caffeine von der Caffeine Labs AG mit Sitz in Zürich.

Cool: Apps aus einem App Store klonen & ändern

"App stores today obviously operate on gatekeeping – that's going to erode", sagte Dfinitys Chief Business Officer Pierre Samaties auf dem World Computer Summit. Statt Apps zu kaufen, können Nutzer sie klonen und für eigene Zwecke anpassen. Ein fundamental anderes Modell als Apple App Store oder Google Play. Das sieht dann im Marketplace so aus:

Caffeine App Marketplace mit Clone-Funktion
Der caffeine.ai Marketplace – Klonen statt Kaufen!

Mein Test: Domain Monitoring Tool in 10 Minuten

So begrüßt Caffeine.ai seine Nutzer – mit einem minimalistischen Chat-Interface und der Aufforderung "Chat to create!":

Caffeine Chat Interface - Chat to create
"Chat to create!" – Die Caffeine.ai Startseite

Meine spontane Idee: Ein Domain-Monitoring-Tool, das mir zeigt, ob Domains bald auslaufen oder dropped wurden. Wer wie ich dutzende Domains besitzt, kennt das Problem – man verliert schnell den Überblick.

Mein erster Prompt

Ein einfacher Satz genügt: "create an app to monitor if a list of domains - are they dropped or expired"

Erster Prompt an Caffeine AI
Mein erster Prompt – simple Anfrage für ein Domain-Monitoring-Tool

Caffeine fragt kurz nach Details (täglich checken? Dashboard mit Farben?) und legt dann los.

Die SPEC.md – Caffeine plant vor dem Coden

Bevor Caffeine auch nur eine Zeile Code schreibt, erstellt es eine detaillierte Spezifikation:

Caffeine generierte SPEC.md Dokument
Die automatisch generierte Spezifikation SPEC.md
spec.md Tab-Ansicht in Caffeine
Die erstellten Dateien aufgeteilt nach Tabs – jederzeit einsehbar

Der Chatverlauf – Iterieren im Gespräch

Nach der Spezifikation geht's ans Eingemachte. Caffeine zeigt den Fortschritt: "Initiating app creation", "Creating your app code from scratch", "Building your app and pushing to the network". Nach wenigen Minuten: "Version 1 is up and ready for testing."

Ich bemerke ein paar Probleme – WHOIS-Daten fehlen, die Liste zeigt nicht alle Domains. Ein kurzes Feedback im Chat, und Caffeine iteriert:

Kompletter Chatverlauf mit Caffeine und Live-Preview
Links der Chat, rechts die Live-Preview – Iteration in Echtzeit

Ein Blick unter die Haube – Motoko Code

Wer neugierig ist, kann sich den generierten Code ansehen. Caffeine schreibt in Motoko – der Programmiersprache des Internet Computer. Hier sieht man die DomainEntry-Struktur mit Status, WHOIS-Daten und HTTP-Checks:

Motoko Code generiert von Caffeine AI
Motoko-Code: Types, Modules und Actor-basierte Architektur

Das Ergebnis – ganz okay für 10 Minuten

Die fertige App bietet Grid- und Listen-Ansicht, Status-Indikatoren (Active/Pending/Expired) und ein übersichtliches Dashboard:

Domain Monitor App Grid Ansicht
Grid-Ansicht mit Status-Cards für jede Domain
Domain Monitor App Listen-Ansicht
Listen-Ansicht mit sortierbaren Spalten

Die WHOIS-Daten werden noch als "Unknown" angezeigt – hier wäre eine weitere Iteration nötig. Aber als Proof-of-Concept für 10 Minuten Arbeit? Beeindruckend.

Der Übersicht halber hier noch die Landingpage in der mobilen Ansicht und natürlich gibt es auch einen hell/dunkel-Modus:

Die mobile Landingpage im Dunkel-Modus

Positiv überrascht: Login über Internet Identity

Was mich wirklich beeindruckt hat: Der Login über Internet Identity (ICP's dezentrales Auth-System) funktioniert einwandfrei. Drei Schritte und ich bin drin:

1. Login-Methode wählen – Google, Apple, Microsoft oder Passkey. Ich wähle Passkey:

Schritt 1: Login-Methode wählen – Passkeys werden unterstützt!

2. Identity benennen – Einmal einen Namen vergeben, fertig. Keine E-Mail, kein Passwort:

Internet Identity Passkey Name eingeben
Schritt 2: Identity benennen – biometrische Daten bleiben auf dem Device

3. Bestätigen und eingeloggt – Das war's. Die App erkennt meine Identity sofort:

Schritt 3: Eingeloggt! Ein Klick auf Continue und ich bin in der App


Genial, dass für eine gerade erstellte Anwendung Auth so einfach ist.

Credits & Kosten

Ohne Anmeldung bekommt man 5 Credits – damit konnte ich die App immerhin zweimal iterieren. Die Credits werden täglich zurückgesetzt. Nach der Registrierung gibt's 110 weitere Credits geschenkt.

Caffeine Nutzer-Profil mit Credits
Das Nutzer-Profil: Ich hab noch 1 Credit übrig, täglich Reset

Fazit

Caffeine.ai sieht soweit spannend aus. Für schnelle Prototypen funktioniert es bereits erstaunlich gut. Der Protoyp war relativ einfach und das hier gezeigt geht mit den divesen IDEs auch sehr gut aber die Kombination aus natürlicher Sprache, automatischer Spezifikation und direktem Deployment gefällt mir.